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Die Zweifel an der Börsenregel "Sell in May and go away"

Deutsche Bank stellt die populäre Börsenregel "Sell in May and go away" in Frage. Eine Analyse der Daten zeigt, dass die Realität komplexer ist als viele glauben.

In der Finanzwelt gibt es zahlreiche Regeln und Sprichwörter, die über die Jahrzehnte überliefert wurden. Eine der bekanntesten ist wohl: "Sell in May and go away". Diese Börsenregel legt nahe, dass Anleger ihre Aktien im Mai verkaufen sollten, um in den Sommermonaten vor möglichen Kursverlusten geschützt zu sein. Doch eine aktuelle Analyse der Deutschen Bank lässt diese klangvolle Empfehlung in einem anderen Licht erscheinen.

Die Daten lügen nicht, oder?

Die Deutsche Bank hat in ihren jüngsten Forschungsberichten aufgedeckt, dass die historischen Daten, die dieser Regel zugrunde liegen, alles andere als schlüssig sind. Statt einer klaren Gewinnmaximierung durch den Verkauf im Mai zeigt sich, dass der Zeitraum von Mai bis Oktober in den letzten Jahren oft mit erfreulichen Renditen aufwartete. Ein Beispiel: In den letzten fünf Jahren haben viele Aktienmärkte über den Sommer hinweg bemerkenswerte Zuwächse verzeichnet. Die Frage, die sich den Anlegern nun aufdrängt, lautet: War das alte Sprichwort vielleicht nicht die verlässliche Schatzkarte, die es zu sein schien?

Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, wie tief verwurzelt solche Überzeugungen in der Investmentkultur sind. Diese Regel wird oft als eine Art saisonales Mantra betrachtet, ein unverbindliches Motto, das den Nervenkitzel des Börsenspiels mit einem Hauch von Volksglauben verbindet. Doch die nüchterne Realität ist, dass die Umstände der Märkte volatil und von vielen externen Faktoren abhängig sind.

Psychologie und Marktverhalten

Ein weiterer interessanter Aspekt ist die psychologische Komponente, die hinter diesem Sprichwort steckt. Die Vorstellung, dass sich Finanzmärkte an saisonalen Mustern orientieren, kann bei Anlegern ein Gefühl der Sicherheit erzeugen. Man verkauft, um möglichen Verlusten zu entgehen, und verschafft sich somit ein beruhigendes Gefühl der Kontrolle über die Unberechenbarkeit der Märkte.

Doch diese Handlungsweise könnte auch dazu führen, dass klärende Analysen und fundierte Entscheidungen hintangestellt werden. Wer an der Regel festhält, könnte wertvolle Chancen verpassen. Denn wenn man die Märkte im Sommer meidet, öffnet man sich nur den Risiken, die durch verpasste Gelegenheiten entstehen.

Die Realität des Risikos

Zuletzt ist es auch wichtig, die Vorstellung von Risiko und Rendite zu hinterfragen. Renditen sind nicht gleichmäßig über das Jahr verteilt. Oft gibt es unerwartete Wendungen und Schwankungen, die die Marktlandschaft dramatisch verändern können. Ein Verlust im Mai kann möglicherweise viel weniger schmerzhaft sein als ein verpasster Gewinn im August.

Die Lehren aus der Untersuchung der Deutschen Bank sind klar – die Märkte gehorchen nicht starren Regeln. Der Schluss, dass es weniger sicher ist, im Sommer investiert zu sein, könnte nicht nur zu Substanzverlusten führen, sondern auch zu einem enormen Verlust an Möglichkeiten. Während einige Anleger weiterhin auf die altbewährte Regel vertrauen, könnte es sich für andere als weitaus gewinnbringender herausstellen, die Märkte zu beobachten und flexibel zu agieren, anstatt den sicheren Hafen bis zum Herbst zu suchen.

Die Tradition des "Sell in May and go away" wird durch die neuen Erkenntnisse wohl zunehmend auf den Prüfstand gestellt. Die Frage bleibt, ob sich die Anleger von alten Glaubenssätzen lösen können und bereit sind, den Mut aufzubringen, im Sommer zu investieren.

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